Übermässiges Schwitzen

Problematik

Übermässiges Schwitzen der Hände und Gesichtsschweiss (Hyperhidrosis)

Übermässige Gesichtsrötung (Erythrodermie)


Einleitung

Ca. 1% der Bevölkerung leidet unter übermässigem Schwitzen, v.a. im Bereiche der Hände, Füsse, Gesicht und der Achselhöhlen, seltener am gesamten Körper. Es handelt sich hierbei um eine chronische Erkrankung, die i.d.R. konstitutionell bedingt ist (wenn neurologische Erkrankungen, hormonelle Störungen, Medikamentennebenwirkungen usw. ausgeschlossen werden können). Man weiss lediglich, dass eine Dysfunktion (fehlerhafte Steuerung) des sog. vegetativen Nervensystems vorliegt. Dieses ist willkürlich kaum beeinflussbar und schwer zu behandeln. Aus diesem Grund existiert auch keine eigentliche ursächliche Therapie bei übermässigem Schwitzen und Gesichtsrötung sondern nur diverse symptomatische Behandlungen. Diese sind primär immer konservativ. Bei schlechtem oder fehlendem Ansprechen kommt dann auch eine chirurgische Therapie im Betracht.

Menschen, die übermässig schwitzen (v.a. an den Händen), sind in ihrem Alltag oft schwer handikapiert. Man traut sich kaum, jemandem die Hand zu geben. Die Hände hinterlassen Schweissspuren auf Tischen, am Papier und an Kleidern. Auch Autofahren ist häufig nur mit Handschuhen möglich, weil das Steuerrad kaum gehalten werden kann und es ständig nass ist.

Oftmals schwitzen solche Menschen zusätzlich noch vermehrt im Gesicht (mit oder ohne Gesichtsrötung), in der Achselhöhle und haben starken Fussschweiss, was zusätzlich zu einer massiven Einschränkung der Lebensqualität führt.


Therapie

Konservativ

- Hände und Füsse

Therapeutisch werden anfänglich immer einfache, nicht invasive Massnahmen zur Symptombekämpfung eingeleitet. Diese beinhalten Medikamente (z.B. Betablocker) sowie lokale Massnahmen mit Salben oder Pasten und die Iontophorese (für Hände und Füsse). Es handelt sich hierbei um ein Wasserbad, bei welchem ein leichter Stromfluss aufgebaut wird (galvanischer Strom). Dadurch werden offenbar die Schweissdrüsen der Haut bezüglich des Schwitzens positiv beeinflusst.

- Achselhöhlen

Das übermässige Schwitzen im Bereiche der Achselhöhlen wird lokal mittels starken Deodorantien behandelt. Häufig genügt dies allerdings nicht, weshalb heutzutage auch ein Versuch

mit Botulinumtoxin gerechtfertigt ist. Wenn auch diese Therapie langfristig nicht den gewünschten Erfolg hat, kommt als letzter Schritt eine lokale subkutane Schweissdrüsenabsaugung in Betracht. Dabei werden die Schweissdrüsen durch einen kleinsten Schnitt von der Hautinnenseite her mit einer Art Saugrohr regelrecht abgesaugt. Dieser Eingriff wird in lokaler Betäubung oder in Narkose von Plastischen Chirurgen durchgeführt. Wir können gerne Kollegen angeben, die diesen Eingriff durchführen.

Chirurgisch

Sind alle konservativen Massnahmen ausgeschöpft und leidet der Patient noch immer unter vermehrtem Handschweiss, kommt als letzter Behandlungsschritt die sog. endoskopische thorakale Sympathektomie (ETS) in Frage. Dabei wird der sog. Grenzstrang (Sympathikusnerv) in der Brusthöhle beidseits auf einer speziellen Höhe (dort, wo sich die vegetative Nervenversorgung der Hände (Th 2 bzw. Th3 befindet) durchtrennt oder geklippt. Selten wird ein kleines Stück des Nerven entfernt. Auf diese Weise hört das übermässige Handschwitzen sofort auf, gelegentlich verschwindet oder bessert sich auch der Gesichtsschweiss und die Gesichtsrötung.


Operatives Vorgehen

Es handelt sich um einen kleinen, wenig belastenden minimal invasiven Eingriff. Im Bereiche der behaarten Achselhöhlen werden durch max. drei 5mm grosse Schnitte die Optik und ein bis zwei kleine Arbeitsinstrumente in den Brustraum eingeführt. Der Sympathikusnerv wird identifiziert und wie oben erwähnt durchtrennt oder mit Titanclips abgeklemmt. Ganz selten wird ein kleines Stück des Nerven entfernt.

Der Eingriff dauert für beide Seiten kaum eine Stunde. Nahezu 100% der operierten Patienten sind (bei einem mit diesem Eingriff vertrauten Chirurgen) nach dem Eingriff bezüglich des Handschweisses geheilt. Die Patienten können meistens bereits am Tage nach der Operation die Klinik wieder verlassen. Die Arbeit kann nach bereits nach einer oder zwei Wochen (körperliche Arbeit) wieder aufgenommen werden.


Komplikationen und Nebenwirkungen

Eine mögliche Komplikation der Operation, das sog. Horner Syndrom (Lähmung gewisser Augenmuskeln) ist auf eine zu hohe Durchtrennung des Nervenstranges zurückzuführen, deshalb muss die Operation mit grosser Präzision durchgeführt werden. Eine seltene Nebenwirkung (keine Komplikation!) ist das sog. kompensatorische Schwitzen an anderen Körperregionen. Es kommt dabei zu vermehrtem Schwitzen z.B. im Bauchbereich oder an den Beinen. Diese Problematik empfinden die allermeisten Patienten als bedeutend weniger belastend als das Schwitzen der Hände und nehmen diese Symptome deshalb in Kauf.


Wichtig

Die Therapie des übermässigen Fussschweisses könnte mit einer sog. lumbalen Sympathektomie (Grenzstrangdurchtrennung im Lendenbereich) behandelt werden. Wir führen diesen Eingriff aber nicht durch, weil es dabei auch rel. häufig zu Störungen der Sexualfunktion kommt. Neuerdings erfolgt dieser Eingriff durch Röntgenspezialisten ganz selektiv unter computertomografischer Kontrolle (Verödung des lumbalen Grenzstranges). Diese Methode ist aber noch nicht etabliert und wird deshalb bisher nicht routinemässig durchgeführt.

Vor jeder chirurgischen Therapie sind diverse Abklärungen vorzunehmen. Neben den üblichen Voruntersuchungen sind auf alle Fälle eine Lungenfunktionsprüfung durchzuführen und eine Schilddrüsenüberfunktion (kann zu vermehrtem Schwitzen führen!) auszuschliessen.


Fazit

Die endoskopische thorakale Sympathektomie ist in den Händen eines erfahrenen Chirurgen eine hervorragende Methode, übermässigen Handschweiss definitiv zu heilen. Der Eingriff ist kaum belastend, die Arbeit kann rasch wieder aufgenommen werden und es sind nach der Operation kaum Narben sichtbar. Bei Versagen der üblichen konservativen Massnahmen ist dieses Vorgehen die beste und sicherste Möglichkeit, den übermässigen Handschweiss zum Verschwinden zu bringen. Der Gewinn an Lebensqualität ist enorm.